Wertvolle Kontakte beim HAWK-Workshop zur interkulturellen Kompetenz
Internationale Studierende der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen und Unternehmensvertreter*innen waren mit großem Eifer dabei, als es darum ging, die kulturellen Besonderheiten zwischen den zukünftigen Arbeitnehmer*innen internationaler Herkunft und den potentiellen Arbeitgeber*innen herauszuarbeiten.
Der Workshop brachte HAWK-Studierende und Wirtschaftsvertreter*innen aus der Region am Gesundheitscampus, einem der drei Hauptstandorte der Hochschule in Göttingen, zusammen. Hier trafen Bachelor- und Masteraspirant*innen aus Studiengängen wie Medizintechnik, Elektro- und Informationstechnik oder auch Green Engineering auf zumeist Personalverantwortliche aus den Firmen. Gemeinsam gingen sie der zentralen Frage dieses Workshops nach: Wie kann Interkulturalität in Unternehmen ein Gewinn für alle sein?
Gleichzeitig ging es an den beiden Veranstaltungstagen auch darum, Kontakte zu knüpfen, aus denen vielleicht mehr entstehen kann. Für Paule Milka Tchouasseu Tchetgnia, die gerade ihre letzten Prüfungen für den Master in Medizintechnik absolviert hat, und Fabian Paul vom Managementteam der Zentralküche der UMG Gastronomie war ihr Zusammentreffen am Campus gleich ein „Match“. Denn beide sind seit kurzem Kolleg*innen, wussten aber nicht, dass sie bei dem Workshop aufeinandertreffen würden. So war die Überraschung groß und die ersten Anknüpfungspunkte beim Erfahrungsaustausch schnell gefunden. „Die UMG Gastronomie hat 190 Mitarbeitende aus 40 Nationen“, berichtet Paul. „Ich empfinde solch einen interkulturellen Austausch, bei dem man sehr weit hinter die Kulissen schauen kann, daher als große Bereicherung, denn im Bewerbungsgespräch kann man auf vieles aus dem Werdegang der Bewerber*innen gar nicht detailliert eingehen.“ Das ergebe sich erst beim gemeinsamen Arbeiten. „Wir versuchen, uns so gut es geht in die Lage der Bewerber*innen und Arbeitnehmer*innen zu versetzen und auf Wünsche einzugehen, denn wir brauchen Fachkräfte. Dafür ist es hilfreich, wenn wir den kulturellen Hintergrund so gut wie möglich kennen. Jedes Puzzlestück, das dazu beiträgt, wird aufgenommen, um es am Ende zu einem großen Ganzen zusammenzufügen und Verständnis füreinander zu bekommen.“
Doch in dem Seminar ging es noch um sehr viel mehr, nämlich die Chance der frühzeitigen Ansprache qualifizierter Fachkräfte durch Unternehmen. Für die potentiellen Bewerber*innen ist wichtig, zu wissen: Was erwarten die Firmen von ihnen, welches Rüstzeug ist nötig, um sich im Berufsleben in Deutschland zu behaupten und welche Tipps gibt es für weibliche Internationals, um in der Männerdomäne der technischen Berufen Fuß zu fassen.
Die studierte Medizintechnikerin Tchouasseu Tchetgnia freut sich, dass sie sich zum Ende ihrer Hochschulzeit noch zur Teilnahme an diesem Workshop entschlossen hat: „Ich nehme viel mit, denn wir bekommen tolle Tipps.“
Als sehr bereichernd empfanden sie und ihre Mitstreiter*innen den gemeinsamen Austausch zu dem Thema, wie die Internationals Deutschland sehen, welche Erfahrungen sie hier gemacht haben und auf welche kulturellen Schwierigkeiten sie immer wieder treffen. Diese zu identifizieren und ein gegenseitiges Verständnis füreinander zu schaffen, dazu sollte der Workshop ebenfalls einen Beitrag leisten. Viele Erfahrungen wurden ausgetauscht und Nikita Kaiser, Student am Campus Ingenieurwissenschaften der HAWK, sprach wahrscheinlich manchem seiner Kommiliton*innen aus dem Herzen, als er feststellte: „Es sah für mich immer so aus, als seien die Probleme, die ich im Zusammensein mit den Deutschen hatte, nur meine persönlichen Probleme.“ Erleichtert stelle er nun fest: „Im gemeinsamen Austausch erkenne ich, dass ich damit falsch lag.“ Er werde nun aus einer anderen Perspektive an die Sache herangehen. Und Mamoube Njokouo, Masterandin im Bereich Green Engineering, berichtet, dass sie es als Kulturschock empfand, wie schwer es sei, in Deutschland Kontakte zu knüpfen. Das sei in Kamerun, ihrem Herkunftsland, sehr viel einfacher. Dort seien die Menschen Fremden gegenüber aufgeschlossener.
Gemeinsam mit der Südniedersachsen Stiftung hatte die Organisatorin des HAWK-Programms HeadStart, Beate Breitenstein, zu dem Workshop eingeladen. Sie fasst das Ziel des Seminars zusammen: „Wir wollen Brücken bauen. Wir schulen die Teilnehmer*innen, damit sie gut präpariert ins Bewerbungsgespräch und in ihr Berufsleben gehen können. Unterstützt wurde sie durch Tina Patel, die über eine 20-jährige Erfahrung im Bereich der interkulturellen Kommunikation verfügt und deren persönlicher Weg durch Lebens- und Arbeitserfahrungen in den drei sehr unterschiedlichen Kulturen Indiens, der USA und Deutschland gekennzeichnet ist.
Breitenstein freut sich über die Offenheit der Göttinger Unternehmen. Von Kamerahersteller Kappa Optronics, über die Barmer Krankenkasse bis hin zum Measurement Valley e.V., einem Wirtschaftsverband namhafter Göttinger Messtechnikunternehmen, waren sich alle einig: „Es ist absolut wichtig für uns, sich für Bewerber*innen aus dem Ausland zu öffnen.“
Das Projekt HeadStart der HAWK
Das Programm HeadStart begleitet internationale Studierende der HAWK und bereitet sie auf den Übergang in den Arbeitsmarkt vor. HeadStart vermittelt den Teilnehmenden, welche Dinge für eine erfolgreiche Bewerbung und den Einstieg in den Arbeitsmarkt in Deutschland von Bedeutung sind. Die Projektmitarbeitenden unterstützen beim Bewerbungsprozess und dabei, Kontakte zu Arbeitgeber*innen zu knüpfen.
Das nächste Seminar von HeadStart mit dem Titel „Stark und vernetzt in den Beruf – mit interkultureller Kompetenz in den Job“ findet am 11. September in Hildesheim statt. Hierfür sind Unternehmensvertreter*innen herzlich willkommen, in den Austausch mit den Studierenden zu treten. Anmeldungen nimmt die HAWK unter Tel. 05121 881-585 entgegen.